Walter Moroder

Skulpturen
Vernissage: 19.01.2017 19:00
20.01.2017 bis 04.03.2017


Nächste Ausstellung:
Vernissage, Do 9. März 2017, 19-21 Uhr

Form der Stille

In der Kunst von Walter Moroder, wie in seinem Erfahrungsschatz, finden sich einige zentrale skulpturale Elemente wieder: Körperausdruck und Formgebung. Sein Interesse für die figürliche Darstellung ist tief in seiner Kultur und seiner Gestaltungserfahrung verankert. Das ladinische Umfeld und die angesehene Schnitzertradition des Grödnertals, gepaart mit dem Studium bei Prof. Hans Ladner an der Akademie der Bildenden Künste in München, ebneten den Weg für eine von Anfang an strukturierte Vorgehensweise bei der Erkundung des menschlichen Körpers, der Modellierung von Holz und der Figur-Raum-Beziehung. Dass Moroder aus dem anfänglichen Impuls etwas entwickelt hat, verdankt sich zweifellos seiner Gabe, der menschlichen Figur Kraft und Größe zu verleihen und sie als eine Welt für sich zu gestalten.

Moroder versetzt seine stillen Figuren nicht in Erregung und verleiht ihnen keine endgültigen physiognomischen Eigenschaften, noch setzt er Skulpturales für die Bestimmung von Regungen oder Leidenschaften ein. Die Lebendigkeit der Figuren, die seine Kunst suggeriert, ist nicht real. Sie ist viel abstrakter und universeller. Stille, Abwesenheit von Zeit, Zeitlosigkeit sind die wichtigsten Merkmale der Werke dieses Künstlers.

Und selbst wenn die Außenhaut „makuliert“ ist durch den Einsatz von Hammer und Messer, somit die Textur betont wird, der Sinn für die Oberfläche, bleibt die strenge Gestaltung der Figur – also das Form-Sein ohne Bewegung – davon nicht nur stets unberührt, sondern wird dadurch sogar noch hervorgehoben. Auch hier lässt sich ein Bezug zu Giacometti erkennen, aber mit dem Unterschied, dass das Material bei ihm mitgenommener, unruhiger erscheint. Bei Moroder überwiegt die Ebenmäßigkeit, die Vermittlung einer Form, die niemals schrill und raumeinnehmend sein will, sondern einen unvergänglichen Platz in Zeit und Raum einnehmen möchte. Selbst wenn die skulpturale Oberfläche eine größere Stofflichkeit hat, heißt das nicht, dass wie bei Balkenhol die Energie und Härte des Ausdrucks frei wird. Im Gegenteil, nie verlässt Moroder die Sphäre der meditativen Gestaltung und einer Klassizität, die die eigenen Grenzen genau kennt.

Einige Kritiker haben wegen der Fixiertheit, der körperlichen Starrheit und vielleicht auch wegen der Streckung gewisser Figuren ägyptisierende Anklänge ausgemacht. Offenkundig ist auch, dass die Holzskulptur in ihrer „primitiven“ Phase (10. bis 13. Jh.), also noch vor der Bildhauerkunst der Renaissance von Jacopo della Quercia und später von Michael Pacher in Bruneck, eine Starrheit besaß, die nicht nur dem Material geschuldet war, sondern auch den technischen Möglichkeiten, die ständig weiterentwickelt und verfeinert wurden. Wie Ernst Gombrich aufgezeigt hat, beruhte die Fähigkeit, das Material oder die Linie lebendig erscheinen zu lassen, vor allem auf dem technischen Fortschritt, der im Barock seine wichtigste Phase durchlief und zum Abschluss kam.

Valerio Dehò