Otto Eder

Skulpturen, Zeichnungen
Vernissage: 02.06.2016 18:00
02.06.2016 bis 02.07.2016


 

Otto Eder war ein schwieriger Mensch, ein Außenseiter, ein Rebell, ein kompromissloser Weggefährte der Kunst, ein großer Künstler, ein Mensch voller Ideale, ein Schwärmer, ein Einsamer, ein Resignierter, er war gehasst und geliebt zugleich. Er war ein Mystiker, ein Romantiker und ein Melancholiker. Er war Lehrer, Prophet und Richter.

Er liebte die Kunst der vergangenen Epochen. Das Archaische, das Strenge und Einfache der Romanik und das Starre der ägyptischen Kunst haben seine skulpturale Auffassung besonders in den frühen Jahren geprägt. Er schätzte das gute Handwerk und bewunderte Künstler der modernen Klassik wie Aristide Maillol, Amedeo Modigliani, Wilhelm Lehmbruck, Constantin Brancusi, Henri Moore. Erst jetzt wird mir bewusst, wie viele Gemeinsamkeiten und Parallelitäten es zwischen Otto Eder (1924-1982) und Joseph Beuys (1921-1986) gab, ohne dass sie einander persönlich kannten. Beide waren als junge Männer zum Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg nach Russland (Krim) einberufen worden uns kamen schwer verletzt mit Schädelverletzungen in die Heimat zurück. Beide entschieden sich 1946 für ein Kunststudium der Bildhauerei. Beide Künstler machten die eigenen existentiellen Kriegserfahrungen zu ihrem Thema. Beuys arbeitete mit Fett, Filz und Wachs, Materialien, mit denen sein Leben gerettet wurde. Eder beschäftigte sich in seinen Dübelplastiken mit existenziellen Themen wie dem Sterben. Vielleicht war es das Soziale und der Wunsch nach dem Zentralen, das beide Künstler vereinte. Otto Eder gründete 1970 den „Verein Begegnung in Kärnten – Werkstätte Krastal seit 1973 verbunden mit dem sozialen Projekt „Künstler bauen ihr Haus“. Zeitgleich, 1973, gründete Joseph Beuys die „Freie internationale Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung“. Beide waren starke Persönlichkeiten, die junge Künstler um sich scharten, um ihnen ihren „Kunstbegriff“ zu vermitteln.

Otto Eders frühe weibliche Skulpturen sind zart, voll Poesie und Anmut. Expressiv sind die männlichen Torsi. Informell ist seine Formensprache Anfang der 50er Jahre, als er Steine übereinander türmte uns daraus sitzende, liegende und stehende Figuren baute und so die Dübelplastiken entwickelte. Wie zeitgenössisch die Dübelplastiken tatsächlich waren, ist mir erst Jahre später richtig bewusst geworden, als ich in einem Katalog über Jackson Pollok blätterte und dort ein Foto fand, das Pollock vor seinem Haus zeigte, im Hintergrund eine von ihm erbaute Skulptur, eine der so genannten beach sculptures, die eine überraschende Ähnlichkeit mit Eders Dübelplastiken zeigt.

Eders künstlerische Entwicklung war 1967 grundsätzlich abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Monumentalskulptur für sich entdeckt und setzte während der Symposien, gleich ob in Portoroz, Lindabrunn oder im Krastal, seine skulpuralen Vorstellungen ins Monumentale um, deren Formensprache und Systematik er sich in den50er und 60er Jahren erarbeitet hatte. Er sagte immer: „Auch eine kleine Skulptur muss monumental sein“. Während all seiner Schaffensperioden, gleich ob seine Skulpturen figural oder abstrakt waren, war die „Konstruktion“ oder die „Systematik“ des Aufbaus der Skulptur ein wesentlicher Aspekt. Sie geben seinen Arbeiten die innere Festigkeit und den Halt. 

Heliane Wiesauer-Reiterer