40 Jahre Galerie Chobot
& Karl Anton Fleck


Vernissage: 08.09.2011 19:00
09.09.2011 bis 15.10.2011



Karl Anton Fleck zählte bereits zu unseren Freunden, als wir im August 1971 mit der Galerietätigkeit begannen, die Galerieszene überschaubar war, da es damals kaum mehr als ein Dutzend Galerien in Wien gab. Unsere Überlegung war: In unserer Wohnung brauchen wir Sitzgelegenheiten, ein Bücherregal, eine Stereoanlage – und Bilder. Was ist für eine Galerie erforderlich? Ganz genau dieselbe Ausstattung. Also wurde unsere Wohnung zur Galerie. Alle vier Wochen neue Bilder aufzuhängen, machte das Zusammenleben mit Bildern spannend, ebenso wie Menschen auf Kunst aufmerksam zu machen: eine Begegnung mit Menschen, Kunst und Künstlern. Die Meinung, Kunst kann ich mir nicht leisten, war weitverbreitet. Es musste ja nicht unbedingt ein Schiele, Klimt oder Van Gogh sein. Auch die Zeitgenossen schaffen faszinierende Kunstwerke. Von Karl Anton Fleck waren wir begeistert, nachdem wir Akte von ihm gesehen hatten. Ein Zufall half uns, ihn persönlich kennenzulernen. In der „Galerie Autodidakt“ fiel uns unter den Besuchern ein stattlicher, großgewachsener Mann auf. In seiner Hand hielt er ein Kuvert. Adressiert an: Karl Anton Fleck, Baumeistergasse 47/33, 1160 Wien. Ob er womöglich jener sei? Er war jener, und wir vereinbarten einen Besuch in seinem Atelier. Unzählige weitere sollten folgen. Wann er seine nächste Ausstellung haben werde? Er wolle zeichnen und nicht mit einer Mappe von Galerie zu Galerie hausieren gehen. Also schnappten wir eine Mappe und trugen sie in die „Kleine Galerie“. Der Galerieleiter war von den Arbeiten sehr angetan und 1969 kam es zu der Ausstellung „Lebenszeichen 69“. Eine der ersten Ausstellungen im „Atelier Yppen“, wie wir die Galerie in den ersten Jahren nannten, war 1971 eine von Karl Anton Fleck. Als die Galerie 1983 in die Domgasse 6 übersiedelte, zeigten wir Arbeiten aus der Serie „Überlegte Unterlegungen“, es war die letzte Ausstellung zu Lebzeiten Flecks. Damals stand es bereits sehr schlecht um seinen gesundheitlichen Zustand. Nach seinem Tod kauften wir von seinem Sohn den künstlerischen Nachlass sowie alle Werknutzungsrechte. An die 20 Ausstellungen von Karl Anton Fleck waren im Lauf der Jahrzehnte in der Galerie Chobot zu sehen. Da wir seinem Werk sehr verbunden sind, ist es konsequent und logisch, auch unser vierzigjähriges Jubiläum dem großartigen Künstler Karl Anton Fleck zu widmen.
Manfred Chobot


Als eine der „dienstältesten“ Galeristinnen in Wien, bereitet es mir Vergnügen, auf die letzten Jahrzehnte meiner Galerietätigkeit zurückzublicken und ein Resümee aus meiner Arbeit zu ziehen:

Für mich bedeutete Kunst immer etwas Hehres, deren Wert sich durch ihre Qualität bestimmt, ein Wert, der sich als konstant erweisen würde. Allmählich musste ich mir diese Illusion „abschminken“ und die Enttäuschung erfahren, dass Kunst genauso modeabhängig ist wie Kleider und andere Waren, die einem ästhetischen Empfinden unterliegen. Ich habe begriffen, dass Kunst einem marktpolitischen Kurswert gehorcht wie Aktien und dass nicht allein die Qualität von Kunst zählt, vielmehr das „Machen“ von Auktionshäusern, Galeristen und Kunsthändlern.

Ich habe mit knapp über Zwanzig zum Sammeln begonnen. Da mein Mann Manfred Chobot damals noch studierte, mussten wir uns das Geld aufs Genaueste einteilen, wodurch ich durch den Einsatz des selbstverdienten Geldes schnell den wahren Wert der Kunst schätzen lernte.

Meine Vorliebe hat sich nicht geändert, sie liegt nach wie vor bei Papierarbeiten und Skulpturen. Diese wurden gekauft, selbst wenn kein Platz zum Aufstellen vorhanden war.

Durch Rudolf Springer, den Doyen des Deutschen Kunsthandels, habe ich vor 25 Jahren den Zugang zur internationalen Kunstszene erlangt. Durch seine Schulung in Berlin sowie auf Kunstmessen im Ausland fand bald meine Erweiterung von der nationalen zur internationalen Kunstszene statt.

In den 90er Jahren kam es zu einem Boom neuer Galerien, sodass es erforderlich war, sich abzugrenzen, was für mich eine verstärkte Konzentration auf die Skulptur bedeutete. Der mittlerweile verstorbene Galerist Buchmann aus Basel verwies stets auf die hervorragende Qualität österreichischer Bildhauer, die kaum wahrgenommen wird, während andere Länder sich glücklich schätzen könnten, über ein solches Potenzial zu verfügen. Sowohl in der Galerie als auch für die NöART habe ich mich erfolgreich auf dieses Metier konzentriert.

Karl Anton Fleck war einer der Künstler, den wir von frühester Jugend gesammelt haben und der die Galerie mit vielen Ausstellungen begleitet hat. Leider ist Fleck viel zu früh verstorben und seine geniale Kraft, die vor allem in der Zeichnung voll zum Ausdruck kommt, war zu Lebzeiten nur einem kleinen Kreis vergönnt. Der Sammler Rudolf Leopold sah in ihn den rechtmäßigen Nachfolger eines Klimt und Schiele, was wohl erst in der Zukunft erkannt werden wird, wenn all jene, die ihn persönlich gekannt haben, nicht mehr leben. Eines Tages werden die Preise seiner Werke in die Höhe schnellen.
August 2011, Dagmar Chobot