Ferry Radax

SONNE HALT!
Vernissage: 26.06.2007 19:00
27.06.2007 bis 13.07.2007



Wie formiert sich eine Ansammlung von fotografischen Arbeiten eines Autors zu einem „fotografischen Werk“? Ferry Radax gilt als einer der bedeutendsten Experimentalfilmer in einer Anfangsphase der Neubestimmung des Filmschaffens in unserem Land. Gleichzeitig entstand eine Unmenge von Fotografien, die einerseits im Umfeld seiner filmischen Projekte anzusiedeln sind, andererseits aber ganz frei, gleichsam „emanzipiert“ vom Film zu sehen sind.

Der „Art Club“ war die bedeutendste Künstlergemeinschaft der frühen Nachkriegsjahre – eine Unmenge von dekorativen Persönlichkeiten gehörte zum Umkreis – und ihr Fotograf war Ferry Radax. Für ihn waren die mitgebrachten Mädchen, die jungen Schauspieler und Adabeis, die wagemutigen Literaten ebenso wie die Maler-Protagonisten der Szene die unbekümmerten Modelle seiner ersten Fotografien. Er fotografierte aus der Hand, ohne Licht und Stativ - die Doppelbelichtung war neben den stark konturierten Silhouetten sein Markenzeichen und vielleicht der erste Ansatz zu filmischen Auflösung von simultanen Bildern und der Darstellung von Zeit im bildlichen Kontext.

Radax hatte ohne es zu wollen, einen magischen, poetischen und doch konzeptuell organisierten Stil entwickelt, dem er mit seiner brachialen „Schneidetechnik“ noch zusätzliche Dramatik verlieh: die Schere war das Mittel der Wahl und bestimmte über wichtig und unwichtig im Bild.

So zahlreich wie die Vorstufen und Versionen zu seinem epochalen Film ,,Sonne halt!“ sind, so sparsam sind die Mittel von Radax zur Annäherung an dieses Hauptwerk. Immer geht es um einen (denselben) Ort des Geschehens, immer geht es um eine Geschichte, immer ist es die Kraft der menschlichen Imagination, an die Radax appelliert.

Der ,,fotografische“ Blick zeichnet die Wahl der Film-Location aus: der malerische Ort Monterosso al Mare, damals weitgehend ein unbekannter Ort in den ,, Cinque Terre“. Die Ursprünglichkeit des Ortes und der Bewohner waren das magische und imaginative Potenzial, das diesen Film und die fotografischen Arbeiten ausmacht. Ein Assoziationsgeflecht von Bildern und Abläufen transportiert den Inhalt einer surrealen Geschichte, die damit endet, dass der Protagonist die Sonne  erschießt und mit dem Dunkelwerden der Welt seine eigene Existenz verliert.   
Das Imaginative in diesem und anderen frühen Filmen von Ferry Radax wird durch eine subkutan fühlbare Konzeption vorangetrieben und überlässt nur scheinbar als konfuse Weltfantasmagorie ein Feuerwerk an surrealen Bildern, die sich einer kognitiven Erfassung subversiv widersetzen.
Radax experimentiert  mit Schnitt und Gegenschnitt, das Bild vom Bild, die Inszenierung der überlisteten Wahrnehmung sind Strategien im fotografischen Werk von Ferry Radax.