Andreas Urteil.

"zum 75. Geburtstag" Zeichnungen
Vernissage: 24.01.2008 19:00
25.01.2008 bis 16.02.2008


 

Im Rahmen der Ausstellung Bilderstreit – Widerspruch, Einheit und Fragment (Köln, Frühjahr 1989) zeigten wir Jüngeren (Siegfried Gohr und der Schreibende), inzwischen verantwortlich für Ausstellungen dieser Art, drei Skulpturen von Andreas Urteil: „Weibliche Formen“ (1958), „Flammende Venus“ (1961-62), auch „Flammenfrau“ genannt, sowie „Ikarus“ (1963). Im gleichen Raum präsentierten wir an den Wänden die Werke von Malern wie Jorn, Mortensen, Nay und Leroy. In diesem Kreise wiederum war Urteil der jüngste, ein Sohn dieser älteren Generation, deren Vertreter wir noch Jüngeren ebenfalls zu unseren Vätern zählten und gegen die wir damals auch ins Feld ziehen mussten. Das geschah aber bereits im Schlepptau der eigentlichen Sieger des Zweiten Weltkrieges, der Amerikaner, deren Aufbruchstimmung wir zu folgen versuchten. Mit der Entdeckung der neuen Welt vernachlässigten wir es dann, ganz im Trend der Zeit, zu beobachten, was inzwischen im alten Hause Europa (Ecole de Paris, Informel) noch Interessantes passierte. Wir ließen es stehen, gerade da, wo es für uns immer gestanden hatte und bauten, wie bereits angedeutet, nach 1960 gleich daneben eine eigene Stadt, und zwar mit unseren eigenen Ideen und künstlerischen Mitteln. Geliefert wurden uns diese von verschiedenen Seiten, einmal von den Wiener Aktionisten, dann von Beuys und den jungen Malern aus dem Osten Deutschlands, die bereits in Düsseldorf oder im Westen Berlins am neuen Bild arbeiteten. Etwas später kamen dann weitere Impulse aus dem Kreise der italienischen Künstler der Arte povera dazu, die alle, wenn auch an unterschiedlichen Stellen stationiert, am Ende der sechziger Jahre ihren ideologischen Streit vom Zaune rissen, mit welchem sie die harten siebziger Jahre zu überleben wussten, um dann in den achtziger Jahren zu ersten Erfolgen zu kommen. Vom Weg durch die letzten drei Jahrzehnte war dann 1989 in der Ausstellung Bilderstreit die Rede, die gleichzeitig zu belegen versuchte, wie die neue, andere Stadt gewachsen war.

Dass wichtige Arbeiten von Andreas Urteil in dieser so umstrittenen Ausstellung zu sehen waren, mag vorerst einmal verwundern, aber nicht eigentlich überraschen, vor allem wenn man sich der im Untertitel aufgeführten Maxime Widerspruch, Einheit und Fragment der Kunst seit 1960 erinnert und diese mit der Haltung und den Intentionen des Bildhauers in Zusammenhang bringt.