Bruno Gironcoli

Objekte, Zeichnungen, Siebdrucke
Vernissage: 31.03.2009 19:00
01.04.2009 bis 03.04.2009


 

„Ich wollte einfach in eine Ausschließlichkeit geraten, die mir als Reiz- und Rauschmittel erschien. Ich habe ganz, ganz trübe Seiten als Jugendlicher erlebt, sehr erniedrigende Momente und deshalb kein rosarotes Weltbild bekommen. Ich war schon sehr früh abgeklärt und ernüchtert.“

(Bruno Gironcoli)
    

Nach einer Goldschmiedelehre in Innsbruck beginnt Bruno Gironcoli Ende der fünfziger Jahre mit dem Studium der Malerei an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien bei Prof. Eduard Bäumer. Sein Hauptinteresse gilt der französischen Moderne und den amerikanischen Malern des abstrakten Expressionismus, vor allen Dingen Jackson Pollock.  Der wichtigste künstlerische Impuls jedoch geht von den Arbeiten Alberto Giacomettis aus, die Bruno Gironcoli 1960/1961 gegen Ende seines Paris-Aufenthaltes für sich entdeckt. Parallel dazu beginnt seine Auseinandersetzung mit der Literatur und Philosophie Jean-Paul Sartres und Samuel Becketts. Beeinflusst von Giacometti setzte sich der Künstler in den frühen Sechziger-Jahren intensiv mit den Darstellungsmöglichkeiten der menschlichen Figur auseinander, die früh zu einer eigenständigen äußerst konzentrierten, reduzierten Formensprache führt.

Durch die Beschäftigung mit dem Wiener Aktionismus, Performance und Happening und seiner Suche nach einer Darstellungsform der Wirklichkeit zeichnet sich Ende der Sechziger-Jahre eine starke Veränderung seines Skulpturenbegriffs ab. Bruno Gironcoli verwendet in seinen Arbeiten nun Dinge des alltäglichen Lebens. Er fügt im Raum ausgebreitete Objektarrangements zusammen und schafft so Environments aus Gegenständen, die ihrer konventionellen Funktion enthoben zu vollkommen neuen künstlerischen Bedeutungsträgern werden. Diese werden zu „Handlungsräumen“ seiner Themen, die sich nunmehr um Gewalt, Folter, Unterdrückung und Sexualität drehen. So entsteht eine starke Psychologisierung der Dingwelt.

1977 übernimmt Bruno Gironcoli die Leitung der Bildhauerschule an der Akademie der bildenden Künste in Wien und wird damit Nachfolger Fritz Wotrubas. Die Professur markiert einen entscheidenden Einschnitt in seiner künstlerischen Laufbahn, er hat erstmalig große Atelierräume zur Verfügung und kann nun unabhängig vom Kunstmarkt arbeiten. Bruno Gironcoli behält das in den vorhergehenden Jahren entwickelte Vokabular bei, verändert jedoch dessen Erscheinungsbild radikal: waren die von Gironcoli verwendeten Objekte in den früheren Installationen im Raum ausgebreitet, werden diese nun zu riesigen , assemblageartigen Skulpturen verdichtet. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau, Mutter und Kind, Leid und Gewalt sind nach wie vor Bereiche, die er in seinen an „Apparaturen“ gemahnenden Skulpturen thematisiert. Diese wirken als Metaphern für ein undurchschaubares System, dem wir häufig fassungslos gegenüberstehen.

(Bettina M. Busse)