Die verschiedensten Gebrauchsgegenstände – Christbaumkugeln, Federn oder Haarteile, ein Spielzeugauto, einen Schlumpf – fügt Verena Bretschneider in diesen Materialbildern zu neuen Bedeutungsträgern zusammen. Weiße Plastikgabeln werden zu den spitzen Zähnen einer Katze, Staubsaugerdüsen zu Stielaugen. In diesem Recycling schwingt die Vergänglichkeit von allem Lebendigen und einst Benutztem mit, das hier jedoch eine Wiederbelebung erfährt. Mithilfe von Pappmaché oder PU-Schaum entstehen Fratzen und totemähnliche Menschen- und Tiergestalten, die an uralte Rituale zur Abwehr und Vertreibung von Geistern denken lassen. Bretschneider überführt diese in einen zeitgenössischen Kontext und bezieht dabei Religion und Kunstgeschichte ebenso mit ein, wie Populärkultur und das aktuelle Tagesgeschehen. Auch Unbewusstes und Unterdrücktes, Ängste und Wünsche kommen auf diese Weise zum Ausdruck. Ein wiederkehrendes Thema der Transformationen ist das Verhältnis der Geschlechter und ebenso das gleichzeitige Vorhandensein von Männlichem und Weiblichem, von Transidentität. Bretschneider bezieht sich in den Werken immer wieder auf den Schamanismus, in dem innere und transzendente Wahrheiten durch Äußerlichkeiten thematisiert werden.
Elsy Lahner